Veranstaltungen

1996 hat der damalige Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus erklärt. An diesem Datum wurden 1945 die letzten verbliebenen Häftlinge des KZ Auschwitz befreit. Zum Gedenktag finden in Zusammenarbeit mit dem Förderkreis Olympia-Kino zwei Veranstaltungen statt: Ein Gedenken mit einem Vortrag über KZs und Lager in unserer Region von Arno Huth von der KZ-Gedenkstätte Neckarelz und der Film “Nicht verRecken” über die sogenannten “Todesmärsche” im Olympia-Kino, ebenfalls mit Erklärungen von Arno Huth als Gast im Kino.

Weitere Details dazu stehen unten.

Tödliches Finale - das lange Ende des KZ Natzweiler und seiner Außenlager

Vortrag von Arno Huth, KZ-Gedenkstätte Neckarelz

Am Flügel: Hanna Wendel

Freitag, 27. Januar um 19 Uhr

Das 1941 eröffnete KZ Natzweiler in den Vogesen im annektierten Elsass war das Stammlager von über 50 Außenlagern im Südwesten des “Dritten Reichs”. Während angesichts des Vormarsches der Alliierten das Hauptlager im Herbst 1944 geräumt und die Lagerkommandantur vom Elsass an den Neckar verlegt wurde, eröffnete die SS weitere Außenlager östlich des Rheins, beispielsweise in Mannheim-Sandhofen und in Bensheim-Auerbach. Die KZ-Häftlinge mussten beim Bau oder in der Produktion vorwiegend für Zwecke der Rüstungsindustrie schuften. Um den 27. Januar 1945 wechselte dann SS-Hauptsturmführer Heinrich Schwarz als Kommandant von Auschwitz-Monowitz zu dem verbliebenen Natzweiler Außenlagerkomplex. Im Winter 1944/45 verschlechterten sich die Überlebensbedingungen der KZ-Häftlinge dramatisch, in vielen Lagern stieg die Todesrate steil an. Im März 1945 überquerten die Alliierten den Rhein. Da “kein Häftling in die Hände des Feindes fallen” durfte, wurden die letzten 20.000 abgemagerten oder kranken Natzweiler KZ-Häftlinge zu Fuß oder in Güterwaggons in Richtung der KZ Dachau und Buchenwald geschickt.

Der Referent Arno Huth ist stellvertretender Vorsitzender des Vereins KZ-Gedenkstätte Neckarelz und hat als Laienhistoriker zu diesen Geschehnissen geforscht.

Die Gedenkveranstaltung wird musikalisch umrahmt von Hanna Wendel am Flügel. Sie spielt Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy und Frédéric Chopin.

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Nicht verRecken – über die Todesmärsche bei Kriegsende

Film im Olympia-Kino am Sonntag, den 29. Januar um 11 Uhr mit Gespräch mit Arno Huth

Der Zweite Weltkrieg endete für Deutschland im Chaos. Während im Osten die Russen vorrückten und die deutsche Armee und die SS ihren Rückzug begannen, wurden überall dort, wo die Front in die Nähe der Konzentrationslager kam, diese aufgelöst und die Gefangenen in Richtung Westen getrieben. Insgesamt wurden auf diese Weise 40.000 bis 50.000 KZ-Häftlinge ohne Verpflegung durch Deutschland gejagt, bis die Rote Armee und der US-Armee sie befreiten.

Über sieben Jahrzehnte später folgt Filmemacher Martin Gressmann den Hauptrouten der Todesmärsche durch Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, an denen heute 200 Gedenktafeln stehen. In seinem Film „Nicht verRecken“ lässt er die letzten, heute hochbetagten Zeugen zu Wort kommen. Sie kamen aus den Lagern Sachsenhausen und Ravensbrück und mussten bis zu 250 Kilometer marschieren. Einige von ihnen sprechen im Film zum ersten Mal darüber. Sie erinnern sich an ein Grauen, das nicht verschwindet.

Regisseur Dominik Graf schreibt über diesen Film: „Völlig andersartig als die gegenwärtig stereotypen Historien-Dokus der Fernsehsender, ganz ohne Musik, leise, aufmerksam, anteilnehmend geht Gressmann die Strecken entlang, beobachtet, befragt die noch lebenden einstmaligen Häftlinge oder die heute alten Kinder, die damals die elenden Vorbeiziehenden gesehen hatten. Er horcht und blickt auf das Detail, gibt acht auf die Topographien und lässt ahnen. Hier erweckt die Sachlichkeit echtes Gefühl. So sehen Filme aus, die uneitel und geduldig Wahrheit suchen.“

Aber auch in Südwestdeutschland gab es Todesmärsche. Das KZ Natzweiler-Struthof im Elsass unterhielt in unserer Region viele Außenlager, deren Häftlinge beim Vorrücken der Westfront in Richtung Dachau getrieben wurden. Arno Huth, Mitarbeiter der Gedenkstätte Neckarelz bei Mosbach, berichtet über dieses unbekannte Kapitel der NS-Geschichte am Sonntag, dem 29. Januar, in einer Matinee um 11 Uhr.

Weitere Informationen zum Olympia-Kino in Hirschberg-Leutershausen

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Lesung von Lena Gorelik "Wer wir sind"

Mittwoch, 1. März um 19:30 Uhr

Von Sankt Petersburg nach Ludwigsburg 1992: Ein Mädchen reist mit den Eltern, der Großmutter und ihrem Bruder nach Deutschland aus, in die Freiheit. Was sie dafür zurücklässt, sind ihre geliebte Hündin Asta, die Märchen-Telefonnummer und fast alles, was sie mit Djeduschka, Opa, verbindet – letztlich ihre Kindheit. Im Westen merkt die Elfjährige, dass sie jetzt eine andere und «die Fremde» ist. Ein Flüchtlingskind im selbstgeschneiderten Parka, das die Wörter so komisch ausspricht, dass andere lachen. Auch für die Eltern ist es schwer, im Sehnsuchtswesten wächst ihre russische Nostalgie; und die stolze Großmutter, die mal einen Betrieb leitete, ist hier einfach eine alte Frau ohne Sprache. Das erst fremde Deutsch kann dem Mädchen helfen – beim Erwachsenwerden, bei der Eroberung jenes erhofften Lebens. Aber die Vorstellungen, was Freiheit ist, was sie erlaubt, unterscheiden sich zwischen Eltern und Tochter immer mehr. Vor allem, als sie selbst eine Familie gründet und Entscheidungen treffen muss.

Ein autobiographischer Roman, der zeigt, dass die Identität gerade im Zwiespalt zwischen Stolz und Scham, Eigensinn und Anpassung, Fremdsein und allem Dazwischen stark wird. «Wer wir sind» erzählt, wie eine Frau zu sich findet – und wer wir im heutigen Deutschland sind.

Lena Gorelik, 1981 in St. Petersburg geboren, kam 1992 mit ihren Eltern nach Deutschland. Ihr Roman «Hochzeit in Jerusalem» (2007) war für den Deutschen Buchpreis nominiert, der vielgelobte Roman «Mehr Schwarz als Lila» (2017) für den Deutschen Jugendbuchpreis. 2022 erhielt sie den Literaturpreis „Text & Sprache“ vom Kulturkreis der deutschen Wirtschaft und wurde die erste Poetikdozentin an der Leibniz Universität Hannover und am Literaturhaus.

Regelmäßig schreibt Lena Gorelik Beiträge zu gesellschaftlichen Themen, u.a. für die «Süddeutsche Zeitung» oder «Die Zeit».

Eintritt

Der Eintritt beträgt 10 Euro.

Reservierungen sind möglich per E-Mail oder telefonisch unter (06201) 509179.

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Andere Veranstalter

In der Ehemaligen Synagoge Leutershausen finden auch Veranstaltungen statt, die nicht von diesem Arbeitskreis organisiert werden, sondern von anderen Vereinen. Dazu zählen der Kulturförderverein Hirschberg und der Verein Musik in Hirschberg.

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